Sicher habt ihr bereits von digitalen Nomaden gehört. Digitale Nomaden bereisen die Welt und arbeiten meist übers Internet, schreiben Blogs und Artikel, berichten über ihre Abenteuer und möchten (und tun es vielfach auch) damit Geld verdienen. Was treibt jemanden dazu, seine Base, sein Zuhause aufzugeben, um unterwegs zu sein? Das Abenteuer, sicher. Die Lust auf Unabhängigkeit, ganz bestimmt. Die Suche nach dem „Mehr“, nach dem EINEN Traum, natürlich. Aber gar nicht mal so wenige entscheiden sich aus einem ganz andern Grund für diesen neuen Weg. Sie möchten etwas Neues beginnen, unabhängig und frei. Sie treten die Flucht nach vorne an und möchten das Dagewesene hinter sich lassen.
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Nun frage ich euch, sind es denn nicht sehr ähnliche Gründe wie die Menschen im Mittelmeer haben, wenn sie sich unter schwersten Bedingungen und unter Lebensgefahr auf das offene Meer begeben um ins „achGottsowunderbare“ Europa zu gelangen? Auch sie treten eine Flucht nach vorn an, auch sie sind auf der Suche nach dem „Mehr am Leben“, nach dem Neuen, nach ihren Traum. Auch diese Menschen suchen die Freiheit, einen Neuanfang. Wer sind wir, dass wir uns anmassen, ihnen diesen Traum zu verwehren? Weil wir das „reiche Europa“ sind? Beim Ausdruck „Reiches Europa“ können gar nicht genug Anführungszeichen stehen, denn wir sind zwar reich an Materie, an Geld, an Besitz, aber wir sind arm, wenn es darum geht, zu verstehen und zu tolerieren. Wir sollten ein Mehr an „Gemeinsam“ und ein Weniger an „Allein“ praktizieren. Wir sollten ein Vielfaches „Toleranz“ leben und wir würden freier.
Denn all die Menschen, die Steine auf Asylantenheime werfen, die rechte Fahnen hissen und Parolen gegen Gäste, Flüchtlinge, wie auch immer ihr sie nennen möchtet, werfen, begehen Hass, Hass an sich selbst. Sie projezieren Hass, den sie in sich tragen, auf Andere. Deshalb sind sie arm und für mich nicht Menschen, für die es sich lohnt, eine lebenswerte Welt zu erschaffen.
Wir sollten uns fragen, wie wir möchten, in einer fremden Welt aufgenommen zu werden. Möchten wir, dass wir mit Steinen willkommen geheissen werden? Möchten wir, dass sie uns zusammenpferchen wie Tiere? Möchten wir das? Mit der Liebe und Zuneigung, die ich in manchen Ländern kennen und geniessen lernen durfte, ist uns die sogenannte Dritte Welt um Welten voraus. Dies gilt vor Allem für jene Menschen, die nichts aus Tourismuseinnahmen haben, die nicht nur freundlich sind, weil sie Geld erwarten. Wir gehen davon aus, wenn uns jemand einfach so bei sich aufnimmt. Wir gehen davon aus, dass dieser Mensch nur dann nett zu uns ist, wenn wir ihm als Tourist finanziell danken. Dem ist aber bei Weitem nicht so. Menschen können auch einfach so fürsorgloich füreinander sein. Einfach so.
Vielleicht sollten die Steinwerfer, die Toleranzverweigerer, die Starrsinnverehrer, die Gewaltverherrlicher mal einen Schritt in fernen Welten wagen. Denn dann würden sich Ihnen neue Sichtweisen öffnen, neue Erkenntnisse würden ihren Stein ums Herz schmelzen lassen.
Ich fühle mich auf Reisen ähnlich wie Flüchtlinge. Ich bin auf der Suche, auf der Suche nach mehr, nach einem Mehr an Leben, nach neuen Möglichkeiten. Jedesmal hoffe ich dabei auf Menschen zu treffen, die offen und tolerant mir gegenüber sind, die mir in manchen Situationen helfen, wenn ich sie brauche. ICH Habe sie gefunden, diese Menschen und diese Toleranz.  …und habe mir die Hilfsbereitschaft gemerkt und lebe auch in meinem zuhause dem entsprechend. Ihr?
Reisen öffnet, Reisen verbindet, Reisen toleriert, Reisen lebt….
…Andersmond

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