daddy2-januar-1939-24-november-2016

Ich hatte in meinem Leben nicht oft Begegnungen mit dem Tod. Verlor nur sehr wenige Menschen, die mir nahe standen. Doch in mir wusste ich, früher oder später, werde auch ich die Vergänglichkeit spüren müssen. Durch den Tod meines Vaters habe ich nun auch diese Erfahrung machen müssen/dürfen. Ein paar Gedanken dazu und warum auch diese Erfahrung so unglaublich wichtig ist für unser Leben…

Jemanden sterben zu sehen, den man liebt, ist für jeden Menschen eine Erfahrung, die einen prägt. Ich hatte das Glück, diese Erfahrung in einer Zeit zu machen, in der ich wieder selbst gefestigt war. Ja, ich hatte das Glück, wenn man es so nennen will, die Vergänglichkeit unseres Lebens dann zu spüren, wenn ich damit umgehen konnte. Wieder einmal zeigt mir das Leben, dass alles, jedes Erlebnis, jede neue Erfahrung, genau dann in mein Leben kommt, wenn ich reif dafür bin und damit umgehen kann. Ich bedanke mich, dass ich diese Erfahrung nicht vor einiger Zeit machen musste, einer Zeit, in der mir mein Leben nicht wirklich mentale Luftsprünge bescherte.

Jeder glaubt an etwas, jeder hat seine eigenen Gedanken über das Leben. Gerade jetzt bin ich wieder mal fasziniert vom Leben, welches Timing und welche Richtigkeit es hat. Diese Erfahrung, einen geliebten Menschen zu verlieren, hatte ich bereits erfahren müssen, aber in einer völlig anderer Form. Dieses Erlebnis hatte mir damals gezeigt, dass ich damit noch nicht umgehen konnte. Ich wusste, das Leben wird mir bald wieder eine Aufgabe dieser Art stellen. Die Zeit dazwischen musste ich nutzen, um Geschehenes zu verarbeiten und mich zu stärken. Dass die Rückkehr dieses Gefühls so bald sein würde, in dieser Art und Weise, konnte ich mir aber nicht vorstellen. Doch gerade deshalb liebe ich das Leben, so unberechenbar und so uneinschätzbar es auch ist. Nun habe ich die Verlusterfahrung erneut machen müssen, doch dieses Mal gestärkt und gefestigt in mir selbst. Die hartnäckige Arbeit an mir selbst trägt also Früchte, ich danke mir dafür.

Es ist eine Bestätigung an mich selbst, dass ich nun stark genug bin für diese Art der Erfahrung. Nicht für immer, aber für diesen Moment, hier und jetzt. Diese Erfahrung bringt nicht nur einen Test für mein Leben mit sich, die Trauer lässt Menschen zusammenrücken. So durfte auch ich erfahren, einigen Menschen näher zu sein, als ich glaubte. Ein überwältigendes Gefühl, Trauer mit seinen Liebsten teilen zu können. Dies war die positivste Überraschung vom Ganzen. Das Vielfache an Trauer durfte ich teilen, mit Menschen aus meiner Nähe, mit Freunden und Familie. Mit meiner Liebsten… Mit Menschen, von denen ich glaubte, viel weiter voneinander entfernt zu sein. Wenn Trauer geteilt wird, wird Trauer geteilt. Durch das Teilen wird die Trauer erträglicher und lässt es zu, darin zu wachsen. Man wächst mit jeder einzelnen Träne, mit jedem wunderbaren Gedanken der Erinnerung.

So seht auch in der Trauer euren Weg, denn sie gehört dazu, wie Freude und Liebe. Trauer kann etwas Wunderbares in sich tragen, wenn man sie versteht und sie zulässt.