Laos Mentalität

14 Stunden Busfahrt, 2 Reifenwechsel, mehrere Kühlwasserfüllungen später und einen großen Wunsch im Kopf, den Wunsch, an ein richtig weiches und angenehmes Bett! Die Anreise mit dem Bus vom kambodschanischen Siem Reap in die südlaotische Stadt Pakse ist nicht gerade eine Fahrt für Luxuspüppchen. Wir sind aber nun mal keine Luxuspüppchen und haken die schier endlos lange Fahrt auf den holprigen Strassen als „Musst-du-mal-erleben-Abenteuer“ ab. Der Bus ist fast ausnahmslos mit Backpackern gefüllt und gibt hervorragend Gelegenheit zur Kontaktaufnahme mit Anderen. Das gemeinsame Jammern über die lange Fahrt und das gemeinsame Sich wundern über die Strassen, Busse und deren Fahrer verbindet schließlich und man kommt sehr leicht ins Gespräch. Selbst den 3 Mönchen, die sich ebenso in unserem Bus befanden, dauerte die ganze Geschichte etwas zu lang und nutzten jede noch so kleine Unterbrechung der Fahrt für eine Zigarettenpause. Mönche als Kettenraucher? WTF…. 😉

Pakse selbst konnte ich nicht all zuviel abgewinnen, ich verbrachte nur wenige Stunden dort und „benutzte“ die Stadt nur als Ausgangspunkt für die 4000 Inseln. Mit einem zum Bus umgebauten LKW ging es dann voll bepackt mit Rucksäcken und Menschen 2 Stunden weiter Richtung 4000 Islands. Ich wundere mich immer wieder über die Nutzung des verfügbaren Platzes in den Verkehrsmitteln der Südostasiaten, kein cm wird vergeudet und was nicht Platz hat, dem wird Platz gemacht. Sie sind wahre Künstler, wenn es darum geht, Platz zu sparen. Das Wort „Car-Sharing“ gewinnt hier eine ganz neue Bedeutung und wird in Perfektion praktiziert.

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Die Überfahrt zur Insel Don Det, der zweitgrößten Insel der 4000 Islands, war nach den holprigen Stunden eine wahre Wohltat. Obwohl es bereits dunkel war, erfrischte mich die Fahrt mit dem kleinen Boot und wunderte mich wiederum, wie viele Menschen auf so einem kleinen Böötchen Platz haben können. Aber alles gut, die Fahrt nach Don Det war ok und dauerte auch nicht sehr lang. Schnell noch eine Unterkunft gesucht und noch ein wenig chillen. Was das Wort „chillen“ aber in Wirklichkeit bedeutet, davon haben wir Europäer nicht wirklich eine Ahnung und wir wurden die nächsten Tage von den Laoten darin ausgiebig gelehrt. Trotz des langen Tagestrips hatte irgendwie aber doch niemand Lust auf Schlafen und ich verabredete mich mit einer Holländerin und einer Engländerin zum Abendessen und einem lecker Bierchen. Das Problem dabei war, dass aus einem lecker Bierchen so an die 7 wurden und wir immer mehr Lust verspürten, etwas zu unternehmen. Die Uhren auf Don Det laufen aber etwas anders, es war bereits 22 Uhr und Don Dets „Strassen“, die eigentlich nur kleine Wege sind, waren leer und ruhig, die wenigen Lokale geschlossen. Die 7 Bierchen waren aber nun mal getrunken und die Unternehmungslust geweckt, was also unternehmen? Wir trafen noch auf weitere Nachtlebenhungrige und machten uns zusammen auf zu einem kleinen Strand, machten dort ein kleines Feuer und verbrachten noch lange Stunden dort mit vielen Gesprächen und extrem viel Spaß, eine der schönsten Nächte meines Trips… <3

Don Det

Auf den 4000 Inseln weiß eigentlich niemand so genau, wie viele Inseln es tatsächlich sind. Der Mekong umschlingt die meist kleinen Inselchen sehr charmant und haucht der Gegend das Leben ein, das es benötigt. Die unzähligen Furchen und Kanäle bilden ein wirres Flusslabyrinth, in dem sich wohl ausschließlich Einheimische zurecht finden. Das beste Transportmittel auf der Insel ist das Fahrrad, man kann die Insel wunderbar umrunden, eine Brücke verbindet Don Det außerdem mit der Nachbarinsel Don Khon, auf der man die Khone Phapheng Wasserfälle besuchen oder wunderbar im Mekong schwimmen kann. Etwas Vorsicht ist allerdings trotzdem geboten, es gab bereits mehrere Tote durch Ertrinken. Der Mekong ist unberechenbar, er gibt, aber nimmt auch.

Aber der Grund, warum ich mich in Laos und die 4000 Islands hoffnungslos verliebt habe, ist ein Anderer. Jeder, der bereits dort war, weiß bereits jetzt, wovon ich spreche. Diese unbeschreibliche Gelassenheit und Ruhe, die dieses Land in sich trägt, ist mit der westlichen Mentalität nicht zu vergleichen. Diese unglaubliche Ruhe, die ich auf Don Det verspürt habe, wurde von meinem Geist sofort angenommen und bereits nach kurzer Zeit dort ertappte ich mich mit denselben Zügen dieser Leichtigkeit. Ich verspürte keinen Drang, irgendetwas tun zu müssen, sondern erfreute mich einfach am Sein. Mein Inneres kam endlich zur Ruhe und die Gelassenheit meines Geistes und meines Körpers war eine Wohltat und nahrhaftes Futter für meine Seele. Die Hängematte war mit mir der gleichen Meinung und verbrachte mit mir Stunden um Stunden und trotzdem verspürte ich kein Muss auf Entdeckungstouren. Die Gelassenheit der Einheimischen schwappte auf mich über, was ich heute nicht schaffe ist kein Problem, denn morgen ist ein neuer Tag und übermorgen kommt dann noch Einer.

Der Chef in der kleinen Anlage direkt am Mekong, in dem ich wohnte, war um die 20 Jahre alt und besaß laut seinen Schilderungen das Big Business. Er vermietete 4 Bungalows, hatte einen Wäscheservice, einen Fahrradverleih, eine kleine Bar und vertickte ganz nebenbei noch etwas Gras. Ein kleines Imperium also auf Don Det, das einzige Problem war nur, dass er den ganzen langen Tag über schlief, er schlief morgens und mittags und eigentlich den ganzen Tag über. Falls ihn doch mal jemand weckte, um ein Fahrrad auszuleihen oder ein Essen zu bestellen, so hatte er einen Gesichtsausdruck, als hätte er gerade nach einer durchzechten Nacht gerade mal 10 Minuten Schlaf gehabt. Er war keineswegs mürrisch und wenn er denn mal wach war, dann war er sehr freundlich und gesellig. Habe mit ihm gesprochen und er hat mir erklärt, wenn ich ein Fahrrad möchte, dann soll ich mir einfach Eins nehmen, wenn ich Wäsche waschen lassen wollte, sollte ich sie ihm einfach hinlegen, wir machen den Rest dann alles später. In seiner Sprache war immer wieder der Satz „Bloss nicht wecken!“ zu hören, obwohl er es nicht aussprach.

Warum erzähle ich euch das? Wir sprechen manchmal von 2. und 3. Welt. Wir sollten mit diesen Ausdrücken etwas vorsichtiger umgehen. Es mag zwar sein, dass der in der westlichen Welt gepriesene Wohlstand höher ist als beispielsweise in Laos. Doch wer hat dieses Wort definiert? Ich fühlte mich jedenfalls in Laos reicher als in Europa, reicher an Wohlbefinden und reicher an Menschlichkeit. Das Vertrauen, die Freundlichkeit und die Leichtigkeit, auf die ich dort traf, begeisterte mich und ich fragte mich, wann die Menschen im Westen diese Eigenschaften verloren hatten. Deshalb werde ich mich hüten, jemals von einer dritten Welt zu sprechen. Ich finde, in Laos ist man dem Wort „Leben“ einfach näher als hierzulande.

mein Guesthouse Don Det

Laut meiner Planung wollte ich eigentlich nur ein paar Tage auf Don Det bleiben, doch irgendwie ließ mich diese Insel nicht los und ich verbrachte fast 2 Wochen dort. Wer diese Gegend verstehen kann, der wird sich einfach nur wohlfühlen. Wer allerdings nur auf Party und Action steht, sollte die Insel allerdings meiden. Dann gibt es andere Orte, die sich sehr viel besser für die Urlaubszeit eignen.

[highlight ]Wichtigster Reisetip zu den 4000 Islands: Nehmt euch Eins genügend mit, Zeit! [/highlight]

Und noch einer: Leider gibt es auf Don Det keine ATM’s, nehmt euch also genügend Bargeld mit.

Nur ein einziges Mal während meines Aufenthalts in Don Det verspürte ich Traurigkeit, nämlich dann, als ich die Insel verlassen mußte. Ich ließ aber ein Versprechen an meine Wiederkehr auf Don Det, so auch wie einen Teil meines Herzens.