Das unsichtbare Seil aus der Ferne…

Ich kann sie nicht definieren, diese unsichtbare Größe in mir, die es fertig bringt, mir den ständigen Gedanken einzutätowieren. Den Gedanken an die Ferne, an das Neue und Unbekannte. Wie ein unsichtbares Seil, das aus der Ferne kommt, das mich umschlingt, Tag für Tag, Moment für Moment, das sich um mich schmiegt, um erst leicht an mir zu ziehen, dann immer fester und fester. Manchmal wehre ich mich, manchmal nicht. Ich lasse an mir ziehen, gehe weiter, Stück für Stück mit der Gewissheit, dass es ein zurück nicht gibt. Ebenso wenig, wie das Lösen des Seils. Ich werde den Kampf, der irgendwie auch Keiner ist, wohl doch wieder verlieren…

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Woher nimmt das Seil die Kraft?

Vielleicht sind es Situationen, vielleicht das Erlebte, das Vergangene, das das Verlangen nach Ferne immer wieder nährt und stark werden lässt. Vielleicht ist es manchmal die Unzufriedenheit, vielleicht Verluste, vielleicht Ängste. Vielleicht aber auch Neugier. Ich denke, bei mir ist es eine Mischung aus Allem, aus all den merkwürdigen Dingen, die in mir manchmal vorgehen, merkwürdig schlechte aber auch merkwürdig gute Dinge…merkwürdig eben. Manchmal lässt das Seil etwas nach, lässt mir Raum, gibt mir etwas Luft, aber nur, um dann stärker dran zu ziehen, wenn Momente wiederkehren, die mein Leben beschweren und die ich auch trotz dem Willen, sie zu verstehen, nur mit Unverständnis begegnen kann. Genau dann wird es meinem Geist zuviel und das Seil erhält noch eine zusätzliche Kraft, die Flucht.

Die Flucht nach vorne

Die Flucht nach vorne, ohne zurück zu blicken. Ohne einen kleinen Moment damit zu verschwenden, an Menschen in deiner Vergangenheit zu denken, die dein Unverständnis, deine Bitterkeit auslösten. Sich nur an der Ferne zu erfreuen, an den neuen Augenblicken, an der Natur, an neuen Menschen und Momenten, die es dir sehr viel leichter machen, Vergangenes zu verarbeiten, Menschen in deinem Leben los zu lassen und dich neuen Abschnitten, neuen Begegnungen zu öffnen und neue Möglichkeiten zuzulassen. Reisen hilft bei alledem, egal aus welchem Grund und aus welchen Stoffen deine Reiselust besteht. Flieh, wenn dir danach ist. Vergiss, wenn du bereit dazu bist. Erfreu dich daran, dass du die Möglichkeit dazu hast. Lass Neues zu und neue Menschen in dein Leben, die dir oft sehr viel mehr geben als die Menschen, von denen du glaubtest, dass sie dir Alles geben könnten. Lass es zu, dass das Seil an dir zieht, verliere den Kampf dagegen und gewinne an Erfahrung, an Lebensfreude, an Mut und den unbändigen Glauben an dich selbst…

….Andersmond